Control: Der Joy Division Film – Ein zeitloses Porträt des Post-Punk und seiner Legenden

Es gibt Filme, die nicht nur unterhalten, sondern eine ganze Ära einfangen. Control ist so ein Film. Anton Corbijns Hommage an Joy Division und ihren charismatischen Frontmann Ian Curtis ist kein klassischer Musikfilm, sondern ein poetisches Porträt einer Band, die den Post-Punk für immer prägte. Mit seiner düsteren Ästhetik, der schonungslosen Ehrlichkeit und einem Soundtrack, der unter die Haut geht, ist Control ein Muss für jeden Fan von Alternative Rock und Musikgeschichte. Doch was macht diesen Film so besonders? Und warum bleibt er auch Jahre nach seiner Veröffentlichung so relevant?

Der Film basiert auf der Biografie Touching from a Distance von Deborah Curtis, der Witwe von Ian Curtis, und erzählt die Geschichte der Band von ihren Anfängen in Manchester bis zum tragischen Tod ihres Sängers im Jahr 1980. Control ist kein Film, der sich auf Klischees verlässt – er zeigt die rohe Energie, die Verzweiflung und die kreative Explosion, die Joy Division ausmachten. Und genau das macht ihn zu einem der besten Musikfilme aller Zeiten.

Key Facts

  • Regie und Drehbuch: Anton Corbijn, ein niederländischer Fotograf und Regisseur, der eng mit Joy Division und New Order zusammenarbeitete, führte Regie. Das Drehbuch schrieb Matt Greenhalgh, basierend auf Deborah Curtis‘ Biografie.
  • Hauptdarsteller: Sam Riley verkörpert Ian Curtis mit einer Intensität, die an den echten Frontmann erinnert. Samantha Morton spielt seine Frau Deborah, während James Anthony Pearson, Joe Anderson und Harry Treadaway die anderen Bandmitglieder darstellen.
  • Veröffentlichung: Der Film kam 2007 in die Kinos und wurde schnell zum Kultobjekt unter Musikfans. In Deutschland startete er am 25. Oktober 2007.
  • Soundtrack: Neben den ikonischen Songs von Joy Division wie Love Will Tear Us Apart, Transmission und Shadowplay enthält der Film auch Musik von anderen Post-Punk- und New-Wave-Künstlern wie David Bowie, Iggy Pop und Buzzcocks.
  • Auszeichnungen: Control gewann zahlreiche Preise, darunter den British Independent Film Award für den besten Film und den Evening Standard British Film Award für den besten Newcomer (Sam Riley).
  • Drehort: Der Film wurde in Manchester und Umgebung gedreht, wo Joy Division auch tatsächlich aktiv war. Viele Szenen spielen an Originalschauplätzen, was dem Film eine besondere Authentizität verleiht.
  • Stil: Corbijns Hintergrund als Fotograf ist in jedem Frame spürbar. Der Film ist visuell atemberaubend, mit einer Farbpalette, die die düstere Stimmung des Post-Punk perfekt einfängt.

Die Entstehung eines Meisterwerks

Anton Corbijn war die perfekte Wahl, um die Geschichte von Joy Division auf die Leinwand zu bringen. Als enger Freund der Band und Fotograf ihrer frühen Tage kannte er die Szene wie kaum ein anderer. Sein Ansatz war es, keinen typischen Biopic zu drehen, sondern einen Film, der die Emotionen und die Atmosphäre der Zeit einfängt. Control ist kein Film über eine Band – er ist ein Film über eine Bewegung, eine Stadt und eine Generation, die sich gegen die Konventionen auflehnte.

Die Dreharbeiten fanden unter schwierigen Bedingungen statt. Corbijn bestand darauf, dass die Schauspieler selbst die Instrumente spielen, um die Authentizität zu wahren. Sam Riley lernte für die Rolle sogar, wie Ian Curtis zu singen und sich auf der Bühne zu bewegen. Das Ergebnis ist eine Performance, die so nah an der Realität ist, dass man manchmal vergisst, dass man einen Film sieht.

Ein weiterer entscheidender Faktor war die Zusammenarbeit mit dem Klangdesigner und Musiker Martin Hannett, der den einzigartigen Sound von Joy Division prägte. Obwohl Hannett bereits 1991 verstorben war, ließ Corbijn seinen Einfluss in den Film einfließen, indem er die Musik so originalgetreu wie möglich gestaltete.

Joy Division: Die Band hinter dem Mythos

Joy Division war mehr als nur eine Band – sie war ein Phänomen. Gegründet 1976 in Manchester, bestand die Band aus Ian Curtis (Gesang), Bernard Sumner (Gitarre, Synthesizer), Peter Hook (Bass) und Stephen Morris (Schlagzeug). Ihr Sound war eine Mischung aus Post-Punk, New Wave und experimentellen Klängen, die die Musikwelt für immer veränderten.

Ihr Debütalbum Unknown Pleasures (1979) gilt heute als eines der einflussreichsten Alben der Musikgeschichte. Mit Songs wie Disorder und New Dawn Fades definierten sie den Sound einer ganzen Generation. Doch es war ihr zweites und letztes Album Closer (1980), das kurz nach Curtis‘ Tod erschien und ihren Kultstatus zementierte. Love Will Tear Us Apart, eine der bekanntesten Singles der Band, wurde zur Hymne des Post-Punk und bleibt bis heute ein zeitloser Klassiker.

Der Film Control zeigt nicht nur die musikalische Entwicklung der Band, sondern auch die persönlichen Kämpfe ihrer Mitglieder. Besonders im Fokus steht Ian Curtis, dessen Leben von Epilepsie, Depressionen und den Druck des Ruhms geprägt war. Sein Tod im Mai 1980 markierte das Ende von Joy Division, doch die Band lebte weiter – unter dem Namen New Order.

Für alle, die mehr über die Post-Punk-Ära und ihre Einflüsse wissen wollen, lohnt sich ein Blick in unsere 80er Post-Punk-Playlist.

Die Bedeutung von Control für die Musikszene

Control ist nicht nur ein Film über Joy Division – er ist ein Film über die Geburt des Alternative Rock. Die Band war eine der ersten, die den Post-Punk mit elektronischen Elementen verband und damit den Weg für spätere Genres wie New Wave, Gothic Rock und sogar Synth-Pop ebnete. Ihr Einfluss ist bis heute spürbar, von Bands wie The Cure und Interpol bis hin zu modernen Acts wie Pale Waves.

Der Film selbst hat eine neue Generation von Musikfans für Joy Division begeistert. Viele entdeckten durch Control die Musik der Band und wurden zu lebenslangen Fans. Gleichzeitig hat der Film das Interesse an der Post-Punk-Ära neu entfacht. Plattenlabels wie Factory Records, das Joy Division unter Vertrag hatte, erlebten ein Comeback, und Bands wie The Stone Roses oder The Smiths wurden wiederentdeckt.

Ein weiterer Aspekt, der Control so besonders macht, ist seine visuelle Sprache. Corbijns Erfahrung als Fotograf kommt in jeder Szene zum Tragen. Die Kameraarbeit ist oft statisch, fast wie ein Gemälde, und die Farbgebung ist gedämpft, fast schon melancholisch. Das passt perfekt zur Musik von Joy Division, die oft düster und introspektiv war. Der Film fühlt sich an wie ein lebendiges Kunstwerk – und genau das ist er auch.

Neuigkeiten und die Zukunft von Control

Auch Jahre nach seiner Veröffentlichung bleibt Control ein fester Bestandteil der Popkultur. 2023 wurde der Film in einer restaurierten Version neu veröffentlicht, die das Bild und den Ton noch weiter verbessert. Diese Version ist nicht nur für Fans ein Muss, sondern auch für alle, die den Film noch nicht kennen.

Darüber hinaus gibt es immer wieder Gerüchte über eine mögliche Fortsetzung oder ein Spin-off. Während es keine offiziellen Pläne gibt, wäre es nicht überraschend, wenn Corbijn irgendwann zurückkehrt, um die Geschichte von New Order oder die weitere Entwicklung der Post-Punk-Szene zu erzählen. Schließlich ist die Geschichte von Joy Division und ihren Nachfolgern noch lange nicht zu Ende.

Für alle, die sich für die Ästhetik und den Einfluss von Musikfilmen interessieren, ist auch unser Artikel über Musikvideos von Michel Gondry einen Blick wert. Gondry hat mit seinen Arbeiten ebenfalls die visuelle Sprache des Alternative Rock geprägt.

Fazit

Control ist mehr als nur ein Film – er ist eine Hommage an eine Band, eine Stadt und eine Bewegung, die die Musikwelt für immer verändert hat. Mit seiner schonungslosen Ehrlichkeit, seiner atmosphärischen Bildsprache und einem Soundtrack, der unter die Haut geht, ist der Film ein Meisterwerk, das jeden Fan von Alternative Rock und Musikgeschichte begeistern wird.

Anton Corbijn gelingt es, die Essenz von Joy Division einzufangen, ohne in Klischees zu verfallen. Er zeigt die Band nicht als unantastbare Legenden, sondern als Menschen mit Träumen, Ängsten und Fehlern. Das macht Control so authentisch und berührend.

Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte das unbedingt nachholen. Und wer ihn schon kennt, wird ihn nach diesem Artikel sicher noch einmal schauen wollen. Control ist ein Film, der bleibt – genau wie die Musik von Joy Division.

FAQ

Worauf basiert der Film Control?

Der Film basiert auf der Biografie Touching from a Distance von Deborah Curtis, der Witwe von Ian Curtis, und erzählt die Geschichte von Joy Division von ihren Anfängen bis zum Tod ihres Sängers.

Wer spielt Ian Curtis in Control?

Sam Riley verkörpert Ian Curtis in einer so intensiven Performance, dass sie oft mit dem echten Frontmann verwechselt wird.

Welche Musik ist im Soundtrack von Control zu hören?

Der Soundtrack enthält ikonische Songs von Joy Division wie Love Will Tear Us Apart und Transmission, aber auch Musik von David Bowie, Iggy Pop und Buzzcocks.

Wann kam Control in die Kinos?

Der Film hatte seine Premiere 2007 und startete in Deutschland am 25. Oktober 2007.

Gibt es eine restaurierte Version von Control?

Ja, 2023 wurde der Film in einer restaurierten Version mit verbessertem Bild und Ton neu veröffentlicht.

Welche Auswirkung hatte Control auf die Musikszene?

Der Film hat eine neue Generation von Fans für Joy Division und den Post-Punk begeistert und das Interesse an der Ära neu entfacht.

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