The Smile: Radiohead 2.0? Neuigkeiten, Fakten und die Zukunft des Alternative Rock
Seit Thom Yorke und Jonny Greenwood 2021 überraschend mit The Smile an die Öffentlichkeit traten, stellt sich die Frage: Handelt es sich hier um Radiohead 2.0 oder um ein eigenständiges Projekt, das neue Wege geht? Die Band, vervollständigt durch den Jazz-Schlagzeuger Tom Skinner, hat mit ihren ersten Veröffentlichungen und Live-Auftritten bereits bewiesen, dass sie mehr ist als nur ein Nebenprojekt. Die Mischung aus experimentellem Rock, elektronischen Elementen und Yorkes unverwechselbarer Stimme erinnert zwar an Radiohead, doch The Smile hat einen eigenen, raueren und direkteren Sound entwickelt.
Die Alternative-Rock-Szene ist elektrisiert. Während einige Fans die Band als natürliche Fortsetzung von Radioheads Werk sehen, betonen andere die Unterschiede – insbesondere die Betonung von Live-Performance und Improvisation. In diesem Artikel werfen wir einen tiefen Blick auf The Smile, ihre Musik, die Verbindung zu Radiohead und was die Zukunft bringen könnte.
Key Facts: Was du über The Smile wissen musst
- Gründung: The Smile entstand 2021 während der COVID-19-Pandemie, als Thom Yorke, Jonny Greenwood und Tom Skinner (u.a. bekannt von Sons of Kemet) in einem Londoner Studio zusammenarbeiteten. Der Name bezieht sich auf ein Gedicht von Ted Hughes, das Yorke inspirierte.
- Mitglieder: Thom Yorke (Gesang, Gitarre, Bass, Synthesizer), Jonny Greenwood (Gitarre, Bass, Synthesizer, Ondes Martenot) und Tom Skinner (Schlagzeug, Percussion). Alle drei bringen unterschiedliche musikalische Hintergründe mit – von Radioheads experimentellem Rock bis zu Skinners Jazz- und Improvisationserfahrung.
- Erste Veröffentlichungen: Im Mai 2022 erschien die Debüt-EP A Light for Attracting Attention, produziert von Nigel Godrich, der auch viele Radiohead-Alben produziert hat. Die EP enthält sechs Tracks, darunter die Single The Smoke.
- Live-Auftritte: The Smile trat erstmals im Januar 2022 bei einem Überraschungskonzert in London auf. Seitdem haben sie mehrere Festivals und eigene Shows gespielt, darunter Auftritte beim Glastonbury Festival 2022 und 2023. Ihre Live-Shows sind bekannt für ihre Energie und Improvisation.
- Musikalischer Stil: Der Sound von The Smile ist eine Mischung aus Post-Punk, Krautrock, elektronischer Musik und experimentellem Rock. Im Vergleich zu Radiohead wirkt die Musik oft direkter, rhythmischer und weniger produziert.
- Zukunftspläne: Nach der EP und mehreren Singles wurde im Mai 2024 das Debütalbum Wall of Eyes veröffentlicht. Die Band plant weitere Tourneen und möglicherweise neue Veröffentlichungen.
Die Verbindung zu Radiohead: Fortsetzung oder Neuanfang?
Die Frage, ob The Smile Radiohead 2.0 ist, lässt sich nicht einfach beantworten. Einerseits gibt es klare Parallelen: Thom Yorke und Jonny Greenwood sind die kreativen Köpfe hinter Radiohead, und ihr Sound ist in The Smile zweifellos präsent. Die Verwendung von unkonventionellen Instrumenten wie dem Ondes Martenot, komplexe Rhythmen und Yorkes charakteristische Stimme verbinden beide Projekte.
Andererseits betonen die Musiker selbst, dass The Smile ein eigenständiges Projekt ist. Der größte Unterschied liegt in der Herangehensweise: Während Radiohead-Alben oft monatelang im Studio perfektioniert werden, setzt The Smile auf Spontanität und Live-Energie. Tom Skinner, der keine Radiohead-Vergangenheit hat, bringt eine frische Perspektive ein – sein Schlagzeugspiel ist jazziger und improvisierter als das von Philip Selway.
Ein weiterer Unterschied ist die Banddynamik. The Smile wirkt wie ein Kollektiv, in dem alle Mitglieder gleichberechtigt sind. Bei Radiohead war Yorke oft der unangefochtene Frontmann, während Greenwood zwar kreativ stark einbezogen war, aber nicht immer im Rampenlicht stand. In The Smile teilen sich Yorke und Greenwood die Bühne gleichberechtigt, und Skinners Schlagzeug ist ein zentraler Bestandteil des Sounds.
Interessant ist auch, dass The Smile bewusst auf Social Media setzt – etwas, das Radiohead lange Zeit vermieden hat. Die Band postet regelmäßig auf Instagram und YouTube, was ihre Live-Auftritte und Studio-Sessions dokumentiert. Das gibt Fans einen Einblick in den kreativen Prozess, der bei Radiohead oft im Verborgenen blieb.
Für viele Fans ist The Smile eine willkommene Ergänzung zu Radiohead. Während Radiohead in den letzten Jahren eher elektronisch und experimentell unterwegs war (z.B. A Moon Shaped Pool oder Kid A), erinnert The Smile an die rockigeren Seiten der Band – etwa The Bends oder OK Computer. Gleichzeitig geht die Musik neue Wege, insbesondere durch Skinners Einfluss.
Wall of Eyes: Das Debütalbum und seine Bedeutung
Im Mai 2024 veröffentlichte The Smile ihr lang erwartetes Debütalbum Wall of Eyes. Das Album wurde von Fans und Kritikern mit Spannung erwartet, und es enttäuschte nicht. Mit 13 Tracks bietet es eine Mischung aus den bereits bekannten Stücken der EP und neuen Kompositionen, die den Sound der Band weiter ausbauen.
Wall of Eyes ist ein Album, das sich nicht sofort erschließt. Wie bei Radiohead auch, braucht es oft mehrere Hörversuche, um die Tiefe der Musik zu erkennen. Die Songs sind komplex, mit ungeraden Taktarten, unerwarteten Harmonien und einer dichten Instrumentierung. Gleichzeitig gibt es aber auch eingängige Melodien und Hooks, die den Zuhörer sofort fesseln.
Ein Highlight des Albums ist der Titeltrack Wall of Eyes, der mit einem hypnotischen Bassline und Yorkes gespenstischer Stimme beginnt, bevor er in einen kraftvollen Refrain übergeht. Bending Hectic ist ein weiterer Standout-Track, der mit seinem treibenden Rhythmus und den verzerrten Gitarren an die besten Momente von Radioheads In Rainbows erinnert.
Besonders bemerkenswert ist die Produktion. Nigel Godrich, der auch A Light for Attracting Attention produziert hat, hat einen Sound geschaffen, der sowohl warm als auch präzise ist. Die Instrumente klingen lebendig, und die Dynamik zwischen den einzelnen Parts ist beeindruckend. Gleichzeitig gibt es viele elektronische Elemente, die den Sound modern und zeitgemäß wirken lassen.
Wall of Eyes beweist, dass The Smile mehr ist als nur ein Nebenprojekt. Es ist ein eigenständiges Werk, das die Grenzen des Alternative Rock weiter auslotet. Die Band beweist, dass sie in der Lage ist, komplexe Musik zu schreiben, die sowohl intellektuell anspruchsvoll als auch emotional packend ist.
Live-Erlebnis: Warum The Smile auf der Bühne überzeugt
Einer der größten Unterschiede zwischen The Smile und Radiohead ist die Live-Performance. Während Radiohead-Konzerte oft sehr durchchoreografiert und technisch aufwendig sind, setzt The Smile auf Spontanität und Improvisation. Die Band spielt ihre Songs oft anders als auf den Alben, und es gibt viel Raum für Experimentierfreude.
Ein gutes Beispiel dafür ist ihr Auftritt beim Glastonbury Festival 2023. Die Band spielte eine Mischung aus eigenen Stücken und Radiohead-Klassikern, darunter 2 + 2 = 5 und The National Anthem. Doch selbst diese bekannten Songs klangen frisch und neu, dank der Energie und des Spiels der Band.
Tom Skinner ist dabei ein zentraler Faktor. Sein Schlagzeugspiel ist technisch versiert, aber auch sehr expressiv. Er bringt eine Jazz-Ästhetik in die Musik, die ihr eine zusätzliche Dimension verleiht. Jonny Greenwood und Thom Yorke ergänzen sich perfekt – Greenwoods Gitarrenarbeit ist wie immer innovativ, während Yorke mit seiner Stimme und seinem Bassspiel die Melodien trägt.
Die Live-Shows von The Smile sind auch visuell beeindruckend. Die Band setzt auf schlichte, aber effektive Bühnenbilder, die den Fokus auf die Musik lenken. Gleichzeitig gibt es aber auch Momente, in denen Licht und Projektionen eine wichtige Rolle spielen, etwa bei den elektronischeren Stücken.
Für Fans von Alternative Rock ist ein The Smile-Konzert ein Muss. Es ist eine Gelegenheit, zwei der größten Musiker der Szene in einer neuen, aufregenden Konstellation zu erleben. Und wer weiß – vielleicht wird The Smile irgendwann auch in Deutschland auftreten. Bis dahin bleibt nur, die Alben und Live-Mitschnitte zu genießen.
Die Zukunft von The Smile: Was kommt als Nächstes?
Nach der Veröffentlichung von Wall of Eyes und einer erfolgreichen Tournee stellt sich die Frage: Was kommt als Nächstes für The Smile? Die Band hat bereits angekündigt, dass sie weiter an neuer Musik arbeiten wird. Ob es ein zweites Album geben wird oder ob sie sich auf EPs und Singles konzentrieren, bleibt abzuwarten.
Ein interessanter Aspekt ist die Beziehung zu Radiohead. Während The Smile zunächst als Nebenprojekt begann, könnte es sein, dass die Band langfristig eine eigene Identität entwickelt – ähnlich wie etwa The Raconteurs für Jack White oder The Dead Weather. Es ist auch denkbar, dass The Smile und Radiohead parallel existieren, mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Für die Alternative-Rock-Szene ist The Smile in jedem Fall eine Bereicherung. Die Band beweist, dass es auch im Jahr 2024 noch möglich ist, innovative und anspruchsvolle Musik zu machen, die gleichzeitig zugänglich und emotional ist. In einer Zeit, in der viele Bands auf sichere Formeln setzen, geht The Smile neue Wege – und das ist genau das, was die Szene braucht.
Wer mehr über die Entwicklung des Alternative Rock wissen möchte, sollte einen Blick auf unsere Artikel zu Black Midi und Squid werfen. Beide Bands zeigen, wie vielfältig und lebendig die Szene heute ist.
Fazit: The Smile als Hoffnungsträger des Alternative Rock
The Smile ist mehr als nur ein Nebenprojekt von Radiohead-Mitgliedern. Die Band hat in kurzer Zeit bewiesen, dass sie einen eigenen, einzigartigen Sound entwickelt hat, der die Alternative-Rock-Szene bereichert. Mit Wall of Eyes haben sie ein Album veröffentlicht, das sowohl musikalisch als auch konzeptionell überzeugt. Ihre Live-Auftritte sind ein Erlebnis, das man nicht verpassen sollte.
Ob The Smile Radiohead 2.0 ist, bleibt eine Frage der Perspektive. Fest steht jedoch, dass die Band eine wichtige Rolle in der Zukunft des Alternative Rock spielen wird. Sie beweist, dass es möglich ist, traditionelle Rock-Elemente mit modernen Einflüssen zu verbinden und dabei etwas völlig Neues zu schaffen. In einer Zeit, in der viele Bands auf sichere Formeln setzen, ist The Smile eine willkommene Überraschung – und ein Hoffnungsträger für alle, die nach innovativer und anspruchsvoller Musik suchen.
Die Zukunft der Band wird spannend. Wer weiß, vielleicht wird The Smile irgendwann genauso legendär wie Radiohead – oder sogar noch ein bisschen mehr.
FAQ
Ist The Smile eine offizielle Radiohead-Band?
Nein, The Smile ist ein eigenständiges Projekt von Thom Yorke und Jonny Greenwood (beide Radiohead) zusammen mit Schlagzeuger Tom Skinner. Die Band betont, dass es sich um ein separates Musikprojekt handelt, auch wenn die Verbindung zu Radiohead offensichtlich ist.
Welche Alben hat The Smile veröffentlicht?
The Smile hat bisher die EP A Light for Attracting Attention (2022) und das Debütalbum Wall of Eyes (2024) veröffentlicht. Beide wurden von Nigel Godrich produziert.
Wie unterscheidet sich der Sound von The Smile von Radiohead?
The Smile klingt direkter, rhythmischer und weniger produziert als Radiohead. Die Musik ist stärker von Post-Punk, Krautrock und Jazz beeinflusst, während Radiohead in den letzten Jahren eher elektronisch und experimentell unterwegs war. Zudem setzt The Smile auf Live-Energie und Improvisation.
Wird The Smile in Zukunft auch in Deutschland auftreten?
Bisher gibt es keine offiziellen Ankündigungen für Konzerte in Deutschland. Die Band hat jedoch bereits in Europa getourt, darunter Auftritte in Großbritannien und Frankreich. Es ist also durchaus möglich, dass sie in Zukunft auch in Deutschland spielen wird.
Warum heißt die Band The Smile?
Der Name bezieht sich auf ein Gedicht von Ted Hughes, das Thom Yorke inspirierte. In einem Interview erklärte Yorke, dass der Titel eine Metapher für die Art und Weise ist, wie Musik Menschen verbinden kann – ähnlich wie ein Lächeln.

